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Thriller-Tipp: „Belladonnas“ von Liann Zhang

„Belladonnas“ von Liann Zhang ist ein Thriller aus dem Influencer Milieu, der mich am Anfang ein kleines bisschen an „Yellowface“ erinnert hat, dann aber recht schnell eine andere Richtung einschlägt. Julie Chan lebt von einem schlecht bezahlten Job im Einzelhandel. Sie wurde als Zwilling geboren, doch nachdem ihre Eltern bei einem Autounfall starben wurden sie und ihre Zwillingsschwester Chloe getrennt. Während Julie bei ihrer lieblosen Tante aufwuchs, wurde Chloe von zwei reichen weißen Leuten adoptiert und startete als Teenager eine Karriere als Internet-Sternchen. Mit 23 Jahren ist sie nun eine durchaus sehr erfolgreiche Influencerin, deren Luxusleben Julie mit mehr oder weniger unverhohlenem Neid verfolgt. Kontakt haben die Schwestern kaum, erst recht nicht nachdem Chloe ihre Zwillingsschwester für eine tränenreiche Marketing Aktion missbrauchte. 

Umso verwunderter ist Julie als Chloe sie eines Tages aufgewühlt anruft. Nachdem sie ihre Zwillingsschwester in deren Apartment tot aufgefunden hat, ergreift sie die Gunst der Stunde,gibt sich als ihre Schwester aus und übernimmt von einem Tag auf den anderen deren Glamour-Leben…

Was etwas unglaubwürdig klingt (und vermutlich auch ist), funktioniert im Buch erstaunlich gut und während das Buch in der ersten Hälfte eher harmlos daher kommt und auch als Young Adult Thriller durchgehen würde, schlägt das in der zweiten Hälfte um und das Buch wird etwas durchgeknallt und ist durchaus nichts für schwache Nerven. Auch wenn die Handlung vielleicht insgesamt etwas wild ist, hat es mich hervorragend unterhalten und durchaus auch überrascht. Sympathische Charaktere sucht man in dem Buch eher vergeblich (auch Julie ist charakterlich nicht unbedingt die absolute Sympathieträgerin), aber das hat meinen Lesespaß nicht negativ beeinflusst, denn es passt zum Umfeld des Geschehens. 

Bücher, Hörbuch

Hörbuch-Tipp: „Konfetti Blues“ von Lutz van der Horst

„Konfetti Blues“ ist der erste Roman von Comedian Lutz van der Horst, den ich als Hörbuch (vom Autor selbst gelesen) gehört habe. Laut Untertitel handelt es sich bei dem Buch um einen Liebesroman, bei dem aber natürlich der Humor und auch das Thema Comedy nicht zu kurz kommt. Held der Geschichte ist der bisexuelle Max, der versucht eine Karriere als Comedian zu starten, aber bisher nur „lustige“ Pannenvideos (die Sorte wo Kinder ausrutschen und in eine Pfütze fallen) mit genauso „lustigen“ Texten versehen darf. An seiner Karriere als Stand-Up Comedian arbeitet er bisher eher erfolglos und seine erste TV-Sendung lief nur noch nach Mitternacht und wurde nach 3 Folgen aus ihm nicht bekannten Gründen direkt wieder abgesetzt. 

Während es im Berufsleben also nicht läuft, sieht es privat nicht viel besser aus. Zwar erblickt Max  bei einer wilden Partynacht Yuma, den (scheinbaren) Mann seiner Träume, doch der weist nach einem One Night Stand plötzlich ein sehr abweisendes Verhalten auf und auch Max’ Outing bei seinen Eltern verläuft eher katastrophal. 

So stolpert Max auf der Suche nach beruflichem und privaten Erfolg durch sein Leben, doch sucht er vielleicht an den falschen Stellen nach seinem Liebesglück?

Mit gut 7 Stunden Hörzeit ist das Hörbuch gut für zwischendurch geeignet, Lutz van der Horst liest gut und engagiert, so dass mir das Hörbuch sehr viel Spaß gemacht hat. Auch wenn die Liebesgeschichte vielleicht etwas vorhersehbar ist, hat mir die Mischung aus Liebesgeschichte und skurrilem Humor gut gefallen. 

Max als Hauptperson ist charmant, aber hat gleichzeitig auch Ecken und Kanten, genau wie die anderen Charaktere im Buch, was es für mich sehr lebensecht gemacht hat. 

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Buch-Tipp: „Ein schönes Ausländerkind“ von Toxische Pommes

„Ein schönes Ausländerkind“ von Toxische Pommes (mit richtigem Namen Irina, eine Juristin aus Wien) habe ich gelesen, weil ich schon seit einigen Jahren Fan ihres Instagram-Auftritts und ihrer Comedy bin, die mit schonungsloser Ehrlichkeit die Bigotterie der österreichischen Gesellschaft offen legt. „Ein schönes Ausländerkind“ ist ihr erster Roman, der mich insofern überrascht hat, da in ihrem Schreibstil nichts (oder zumindest fast nichts) von dem Zynismus zu finden ist, der ihre satirische Comedy ausmacht. Das macht den Roman aber umso stärker und umso emotional bewegender und ich kann gleich am Anfang sagen, dass er eines der absoluten Lese-Highlights meines Lesejahres 2025 war. 

In dem (vermutlich in weiten Teilen autobiografischen) Roman erzählt die Ich-Erzählerin davon wie ihre Familie aufgrund des Jugoslawien Krieges nach Österreich floh und dort zunächst bei einer Familie unterkam, die einen Teil ihres Hauses gegen Vollzeit-Arbeit im Haushalt der Familie überließ. Während die Mutter dort fast rund um die Uhr arbeitet und es schließlich schafft eine offizielle Arbeitserlaubnis in Österreich zu bekommen, scheitert der Vater an letzterem und wird Hausmann. Solange die Ich-Erzählerin noch ein kleines Kind ist führt dies dazu, dass sie ein sehr enges Verhältnis zu ihrem Vater hat, der mit ihr spielt und immer für sie da ist, während die Mutter von ihrer Arbeit verschlungen ist. Doch je älter die Ich-Erzählerin wird, desto mehr leben sie und ihr Vater sich auseinander: sie arbeitet in der Schule hart an exzellenten Noten, immer das Ziel des Aufstiegs und der österreichischen Staatsbürgerschaft vor Augen, die Mutter erwirbt die Qualifikation ihren ursprünglichen pharmazeutischen Beruf auch in Österreich ausüben zu dürfen und steigt beruflich kontinuierlich auf, doch der Vater bleibt abgehängt, ist fast nur zuhause, spricht nicht so gut Deutsch und traut sich nicht sich in das soziale Umfeld der beiden anderen Familienmitglieder. 

Dieses zunehmend komplizierte Verhältnis zwischen Tochter und Vater ist sicherlich das Hauptthema des Buches und unheimlich berührend geschildert, ehrlich, schonungslos und trotzdem humorvoll und mit feiner Ironie. Außerdem erfährt man „nebenbei“ einiges über die kulturellen Eigenheiten und Konflikte im ehemaligen Jugoslawien und natürlich über die Schwierigkeiten die es bedeutet von heute auf morgen ein völlig neues Leben in einem neuen Land anzufangen.

Die Sprache ist dabei wirklich schön, so dass man das Gefühl hat für die Dauer das Buches tatsächlich mit dieser kleinen Familie zusammen zu leben. Absolute Leseempfehlung!

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Sachbuch-Tipp: „Kein Bock Club“ von Maria Popov

„Kein Bock Club“ von Maria Popov ist ein Buch, auf das ich über einige Posts auf Instagram aufmerksam wurde,  bei dem ich mir aber zunächst nicht sicher war ob ich es interessant genug finde es zu lesen, da es auf den ersten oberflächlichen Blick den Anschein erweckte, dass es darin nur um Asexualität ging und ich mir nicht sicher war, ob mich das genug interessieren würde. Nachdem eine Freundin das Hörbuch gehört hatte und weiterempfahl griff ich aber doch zu und wurde nicht enttäuscht, denn das Buch beschäftigt sich mit sehr vielen sehr relevanten Themen: dem Stellenwert von Sex in der Gesellschaft, dem überzogenen Blick auf die Bedeutung heteronormativer Beziehungen, weibliche und männliche Sexualität, gesellschaftliche Normen und Prägungen, Feminismus und Patriarchat.

Dazu erzählt die Autorin viele persönliche Anekdoten darüber wie ihr Blick auf Sex und Beziehungen durch ihre Jugendzeit geprägt wurde und wie schwer es ist sich davon zu lösen. Und am Wertvollsten an dem Buch finde ich den Fokus darauf wie gut es der Gesellschaft und den Menschen darin tun würde wenn man Freundschaften und alternative Beziehungsformen gleichberechtigt neben (sowieso meist romantisierte Vorstellungen von) romantische und durch Sex geprägte Beziehungen stellen würde. 

Das Buch ist bei der Vielfalt von Themen sehr kurzweilig und ich fand auch das Verhältnis zwischen persönlichen Anekdoten und Sachbuch ausgewogen. 

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Buch-Tipp: „Happiness forever“ von Adelaide Faith

„Happiness forever“ von Adelaide Faith fällt einem schon aufgrund des außergewöhnlichen Covers auf, das einen merkwürdig verzerrten (aber süßen) kleinen Hund zeigt. Dieser kommt dann auch im Buch vor, er ist der Hund der Hauptperson Sylvie, der aufgrund einer Hirnverletzung etwas schief sieht und im Kreis läuft, aber trotzdem neben der Arbeit in einer Tierklinik eine Hauptkonstante in Sylvies Leben ist. Sylvie macht aktuell eine Therapie, mit der sie über vergangene negative Beziehungserfahrungen und ihre Alkoholvergangenheit hinwegkommen möchte. Doch Sylvie ist auch verliebt (oder eher besessen von?) und zwar in ihre Therapeutin, Tag und Nacht denkt sie an sie und fiebert auf die nächste Therapiestunde hin. Das reale Leben kommt dabei zu kurz, doch dann trifft Sylvie auch im echten Leben auf eine neue Freundin…

Das Buch ist auf jeden Fall sehr außergewöhnlich, Sylvies Innenleben und ihre Unsicherheiten werden sehr sensibel geschildert und man kann sich in sie hineinversetzen, auch wenn sie objektiv gesehen oft merkwürdig handelt. Die angebetete Therapeutin hingegen bleibt für die Leser:innen genau wie für Sylvie eine Projektionsfläche, die schwer zu fassen ist. Auf jeden Fall ein leises feines Buch über den Versuch trotz aller Widrigkeiten seinen Platz im Leben zu finden.

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Hörbuch-Tipp: „Body Number One“ von Helen Fields

„Body Number One“ von Helen Fields ist ein Hörbuch-Thriller der in Edinburgh spielt. Im Laufe das Buches wurde mir bewusst, dass es sich dabei wohl um Teil einer (mir unbekannten) Reihe handelt, da man den Eindruck bekam, dass die verschiedenen Ermittler:innen der Leserschaft bekannt sein müsste. Richtig gestört hat das aber nicht und der Krimi-Handlung kann man auch problemlos folgen, wenn man den Charakteren das erste Mal begegnet. 

Ausgangspunkt der Geschichte ist, dass ein mysteriöser Killer scheinbar wahllos und mit verschiedenen Methoden verschiedene Menschen tötet, ohne dass ein Zusammenhang zwischen ihnen erkennbar wäre. Nicht nur Geschlecht, auch Hautfarbe, sozialer Status und Alter wirken willkürlich gewählt.  Der sich daraus entwickelnde Fall und die Entwicklungen und Verwicklungen sind dann tatsächlich sehr kreativ und endet auch mit einer Wendung, die für einen Thriller recht raffiniert ist (als Verdacht kam sie mir trotzdem vor der Auflösung, aber ich lese auch sehr viele Krimis).

Etwas irritierend fand ich dass die Charaktere in dem Buch teils etwas merkwürdige Namen trugen („Woolwine“, „Waterfall“, „Midnight“, die eher Assoziationen mit einem schnulzigem Romantikroman in mir erweckten, aber das ist ja eher nebensächlich).

Gelesen wird das Buch von Kaja Sesterhenn, die einen sehr guten Job macht und alle Charaktere individuell zum Leben erwecken konnte. Die wenigen etwas horrorartigen Momente des Buches brachte sie sogar so überzeugend rüber, dass mir das Buch für kurze Momente sogar fast etwas zu gruselig war. 

Insgesamt hat mich das Hörbuch sehr gut unterhalten. Etwas mehr Charakterentwicklung hätte den Ermittler:innen aber nicht geschadet, zumal es sehr viele davon gab, aber vielleicht entwickelt sich das eher über den Gesamtverlauf der Reihe.

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Buch-Tipp: „Die Ausweichschule“ von Kaleb Erdmann

„Die Ausweichschule“ von Kaleb Erdmann ist das zweite Buch das ich mir dieses Jahr von der Longlist des Deutschen Buchpreises herausgesucht habe und auch dieses Buch hatte es auf jeden Fall verdient auf die Shortlist zu kommen, auch wenn es am Ende nicht gewonnen hat. Das Buch beschäftigt sich mit dem Amoklauf in Erfurt der 2002 im Gutenberg-Gymnasium verübt wurde und bei dem der Täter 16 Menschen ermordete. 

Viele Jahre später arbeitet der Ich-Erzähler von „Die Ausweichschule“, der den Amoklauf als Kind miterlebte, an einem Buch über das damalige Geschehen, hadert aber damit ob es überhaupt in Ordnung ist, sein damaliges Trauma literarisch zu verarbeiten und versucht zu ergründen warum der Amoklauf über 20 Jahre später durch eine Zufallsbegegnung wieder so präsent in seinem Denken geworden ist. Bei dem Buch handelt es sich somit um ein Genre, dass die letzten Jahre sehr beliebt geworden ist: Autofiktion, denn der Autor Kaleb Erdmann war tatsächlich Schüler am Gutenberg-Gymnasium und hat den Amoklauf überlebt.

Es handelt sich also gewissermaßen um einen Meta-Roman, der in weiten Teilen den Schaffens- und Denkprozess des Autors zum Inhalt hat. Dies funktioniert aber ganz hervorragend, auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht wenig zugänglich klingt. Mich hat das Buch aber sehr abgeholt und auch angeregt, mich weiter mit dem Thema und Literatur zu beschäftigen und somit ist das „Experiment“ für mich absolut gelungen und empfehlenswert, vor allem da das Buch sich durch den leisen und feinen Humor auch trotz des schweren Themas Leichtigkeit bewahrt.

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Buch-Tipp: „Sing lauter, Heidi!“ von Claudia Koreck und Gunnar Graewert

„Sing lauter, Heidi!“ von Claudia Koreck und Gunnar Graewert ist ein sehr spannendes und kreatives literarisches und musikalisches Projekt. Der Roman wird nämlich begleitet von einem zugehörigen Album („The Loveolution Project“), das die Singer- und Songwriterin genauso wie den Roman gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Songwriter und Musikproduzenten Gunnar Graewert kreiert hat.

In dem Roman finden sich also nicht ganz überraschend Charaktere mit ähnlichen Berufen wieder. Die junge aus einer chilenischen Einwandererfamilie stammende sehr talentierte Sängerin Heidi Morales lebt mit ihren Geschwistern und der alkoholkranken Mutter in New York und träumt davon mit ihrer Musik aus ihrem schwierigen Leben auszubrechen. Doch immer wieder wird sie vom Alltag zurück auf den Boden geholt. 

Der aus einer reichen (und skrupellosen) Familie stammende Mick hadert hingegen mit der Gefühlskälte und Geld- und Machtbesessenheit seines Elternhauses und möchte daraus ausbrechen. Tatsächlich gelingt ihm das und er wird zu einem der angesagtesten und bekanntesten Musikproduzenten der Welt…als Heidi und er zufällig aufeinander treffen  und ihre Kreativität vereinen, erschaffen sie etwas, dass das Potential hat die ganze Welt zu verändern.

Wie ich einem Interview entnahm, hatten Claudia Koreck und Gunnar Graewert die Idee zu dem Buch als sie darüber nachdachten wie man es schafft anhand der Welt- und Nachrichtenlage nicht die Hoffnung zu verlieren und das Buch beschäftigt sich mit der Frage ob Musik denn wirklich die Welt verändern kann. Dabei greift es die aktuelle Weltlage und Themen wie Rechtspopulismus und KI sehr präzise und realitätsnah auf (besonders beeindruckt war ich von der treffsicheren Analyse amerikanischer Politikverhältnisse) , aber ohne dass das Buch deprimierend oder kompliziert wäre, die Sprache ist sogar eher sehr direkt und schlicht gehalten und erhält sich ähnlich wie die Hauptpersonen eine idealistische Naivität. Auch dass hier zwei absolute Kenner der Musikbranche schreiben ist unverkennbar, sowohl anhand der Beschreibung kreativer Arbeit als auch anhand der schonungslosen Darstellung des CEOs des erfolgreichsten Record Labels der Welt (das vermutlich nicht ganz zufällig im Buch Universum Music heißt).

Die Verknüpfung von Buch und Album ist auch sehr gelungen, immer wenn ein Song des zugehörigen Albums in der Handlung des Buches vorkommt , ist ein QR Code im Buch abgedruckt (außerdem noch die Lyrics), mit dem man zu der offiziellen Homepage von Claudia Koreck gelangt, wo man die Songs direkt abspielen kann (man braucht also keinen Streaming Dienst). Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, die Songs an der jeweiligen Stelle zu hören, da man so auch noch mehr in die Handlung versetzt wird. Das Musikalbum ist aber auch komplett und eigenständig sehr empfehlenswert (genau wie die anderen Alben von Claudia Koreck).

Insgesamt ein wirklich wunderschönes und hochaktuelles Buchprojekt, das jede Aufmerksamkeit verdient hat!

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Hörbuch-Tipp: „Der Trailer“ von Linus Geschke

„Der Trailer“ von Linus Geschke ist ein Thriller den ich als Hörbuch gehört habe. Gesprochen wird der Roman überdurchschnittlich gut von Richard Barenberg, weswegen ich definitiv empfehle den Thriller zu hören, denn der Sprecher erweckt die verschiedenen Charaktere mit so viel Dynamik und Unterschieden zwischen den verschiedenen Personen zum Leben, dass man fast das Gefühl hat ein Hörspiel zu hören.

Aber auch der Inhalt hat mich durchaus überzeugt: die aktuell wegen einer internen Untersuchung suspendierte Polizistin Frieda ist Gast in einem True Crime Podcast, in dem sie über einen 14 Jahre alten Cold Case spricht. Sie hat zwar nie in dem Fall ermittelt, aber sie kennt das Opfer, Lisa, mit dem sie gemeinsam in einem kleinen Ort aufgewachsen ist. Vor ca 14 Jahren verschwand Lisa von einem Campingplatz namens Donkerbloem in den belgischen Ardennen. Sie wurde nie gefunden und ihr Schicksal blieb somit ungewiß. Durch den Podcast wird auch Friedas Interesse an dem Fall wieder erweckt und sie beginnt zu ermitteln…

Und aufgeschreckt durch den Podcast wird auch jemand anders an die Geschehnisse in Camp Donkerbloem erinnert: der etwas zwielichtige Wout Meertens, der eine Bar führt und einige kriminelle Machenschaften in seiner Vergangenheit und Gegenwart hat. Auch er war damals in Camp Donkerbloem. Obwohl er eigentlich nichts von der Polizei hält lässt er sich von seinem Mitarbeiter Tayfun überreden Frieda anonym anzurufen, um seine Erinnerungen mit ihr zu teilen. 

Gemeinsam setzen die beiden eine Kette von Ereignissen in Gange, die auch 15 Jahre später Leben in Gefahr bringt…

Mir hat der Thriller sehr gut gefallen. Dass nicht eine klassische Ermittlung der Kommissarin im Mittelpunkt steht, macht die Geschichte besonders und interessant und die sehr unterschiedlichen Charaktere wachsen einem durchaus ans Herz. Auch die Auflösung hat mir gut gefallen. Das Buch ist der Auftakt einer Trilogie, aber auch sehr gut einzeln lesbar. 

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Krimi-Tipp: „Das Nest“ von Sophie Morton-Thomas

Das Nest“ von Sophie Morton-Thomas ist ein psychologischer Kriminalroman, der durch einen außergewöhnlichen, aber sehr mitreissenden Stil geprägt ist. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Fran. Sie lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn Bruno an der Küste Englands und führt einen Campingplatz. Ihr Leben ist nicht besonders aufregend, sie liebt es Vögel zu beobachten und kann in diesem Hobby völlig versinken.

Doch schon am Anfang des Buches wird einem als Leser:in klar, dass Frans naturnahes Leben nicht wirklich idyllisch ist: das Verhältnis zu ihrem Mann könnte besser sein, auf dem Campingplatz lebt auch noch ihre Schwester mit ihrem alkoholkranken Partner und ihrer kleinen Tochter Sadie kostenfrei, was zu Konflikten führt.

Neben dem Campingplatz hat sich eine Gruppe Roma Reisender mit ihren eigenen Vans niedergelassen, Tad, ein älterer Herr der Gruppe lernt Bruno und Sadie kennen und beobachtet die Geschehnisse rund um Frans Familie als Außenstehender.

Nachdem Brunos und Sadies Lehrerin verschwindet (auch noch nachdem Sadie in der Schule Probleme mit ihr hatte) beginnt rund um Frans Leben alles auseinanderzubrechen…

„Das Nest“ ist ein Roman den ich einerseits großartig fand, denn die Atmosphäre  ist sehr eigenwillig und originell und Frans komplexes Innenleben ist hervorragend herausgearbeitet. Außerdem war die Geschichte trotz wenig Action wirklich mitreissend, so dass ich das Buch gar nicht mehr zur Seite legen konnte. Eigentlich spricht also alles für ein wirklich brillantes Buch, allerdings gab es auch kleine Abstriche: dadurch dass alle Geschehnisse ausschließlich aus der sehr subjektiven Sicht von Fran (die eine sehr erratische Erzählerin ist) und Tad erzählt werden bleiben die anderen wichtigen Charaktere der Geschichte in ihren Handlungen und Motiven undurchsichtig und es ist teilweise schwierig ihre Charaktere zu fassen zu bekommen. Dies ist vor allem bei Sadie und Bruno eine verpasste Chance. Und vielleicht damit zusammenhängend: ich fand die Handlungen vieler Personen im Buch nicht wirklich nachvollziehbar und fand es immer wieder schwierig zu glauben, dass jemand wirklich so handeln würde. 

Von dem her fand ich das Buch spannend, originell, toll geschrieben, aber etwas unglaubwürdig. Trotzdem empfehle ich es jedem der einmal einen Krimi lesen will, der aus dem Einheitsbrei heraussticht.